Pharmaverpackung gewinnt

Die Wallet-Verpackung der Sigpack Systems AG ist der Superstar des Jahres. Sie holte im Schweizerischen Verpackungswettbewerb Swiss Star 2007 gleich zwei Auszeichnungen: den Konsumentenpreis und eine Auszeichnung als Verkaufsverpackung.

«Wir wissen, dass diese Verpackung einfach genial ist und dem Konsumenten einen echten Mehrnutzen bringt. Dazu zählen hauptsächlich die Patientensicherheit, die Benutzerfreundlichkeit und natürlich die vielen Informationen, die in der Wallet-Pharmaverpackung integriert werden können», erklärt Andreas Graf, Leiter Systemintegration bei Sigpack. Eigentlich zeigt die Wallet-Verpackung ihre Genialität erst auf den zweiten Blick. Dann nämlich, wenn man an ihr zieht und links und rechts gleichzeitig das Produkt sowie die Beipackzettel sichtbar werden. Durch Schieben des Mechanismus verschwinden die Tabletten und die Beilage wieder in der Verpackung: eine Neuerung, die neben der Jury auch Konsumenten überzeugte. Über 30 Prozent der im E-Voting eingegangenen 1080 Stimmen wählten diese neuartige Pharmahülle mit Mehrfachnutzen für den Swiss-Star-Konsumentenpreis. Der Konsumentenwettbewerb, jährlich durch das Schweizerische Verpackungsinstitut SVI im Rahmen des Schweizerischen Verpackungswettbewerbs durchgeführt, hat zum Ziel, die Verpackung mit seinen vielfältigen Funktionen und Aspekten den Konsumenten näherzubringen. Von grosser Wichtigkeit - besonders weil es sich hier um Medikamentenverpackung handelt - ist die Tatsache, dass die Verpackungsbeilage mit der Verpackung fest verbunden bleibt und nicht verloren geht. Die Wallet-Verpackung wurde von der weltweit tätigen Verpackungsdesign-Agentur Burgopack entwickelt. Die Sigpack Systems baut die dazu gehörende Verpackungsanlage. Neben dem Konsumentenpreis erhielten insgesamt 8 Verpackungsneulinge die begehrte Auszeichnung Swiss Star 2007. Sie wurden von einer 15-köpfigen Jury in einem zweistufigen Auswahlverfahren aus insgesamt 34 Einsendungen gewählt.


Perfektion mit Karton

Kaum ein anderer Industriezweig stellt an seine Partner so hohe Anforderungen an Technologie und Know-how wie die Pharmaindustrie. Die Hamburger Körber Medipak liefert Pharmaverpackungssysteme aus einer Hand - von der Packmittelentwicklung über die Bereitstellung der Materialien bis hin zu kompletten Maschinen- und Systemanwendungen. Zur Gruppe gehören neben dem deutschen Verpackungsmaschinenhersteller MediSeal auch die Schweizer Unternehmen Dividella und Rondo. Die Dividella AG, bei weltbekannten Pharmafirmen als TopLoading-Spezialist bekannt, baut seit 1978 erfolgreich unter dem gleichen Namen Maschinen. Die Entscheidung, auf Monomaterial, sprich Kartonmaterial zu setzen und dabei auch Entwicklungen gemeinsam mit den Kunden durchzuführen, war für das Unternehmen wegweisend. Mit dem im eigenen Haus entwickelten Packmittelkonzept können alle pharmazeutischen Liquidaprodukte wie Ampullen, Spritzen, Vials, Inhalers, Devices sowie Kombinationen verpackt werden. Das System der TopLoading-Faltschachteln wird den sich ändernden Anforderungen laufend angepasst; Originalitätssicherung, grösserer Formatbereich und angepasste Transportsicherheit (Versandapotheken, veränderte Logistik) sind nur einige Features, welche im Laufe der Zeit hinzukamen und auch umgesetzt wurden. Heute beliefert Dividella neun der Top-Ten-Pharmaunternehmen. Der Erfolg begründet sich auch auf ein für ein Maschinenbauunternehmen ungewöhnliches Selbstbild. Fragt man die Mitarbeiter vor Ort im Engineering und in der Projektleitung, so sehen diese sich selbst primär als Packmittelentwickler und Problemlöser für die pharmazeutische Industrie. Alles dreht sich in Grabs um TopLoading-Kartons und Walletpräsentationen, auf fast jedem Schreibtisch stehen Ampullen, Vials und Ähnliches. Dass dabei hochklassiger Maschinenbau betrieben wird, um die Lösungen und Wünsche der Kunden dann auch umzusetzen, wird in der Fabrik beinahe als Selbstverständlichkeit dargestellt. In der gut gefüllten Montagehalle sind die komplette Bandbreite von der flexiblen Kleinstmaschine bis zu mehreren Hochleistungsanlagen zu sehen.


Einfachheit als Vorteil

Wolfgang Nimmerfroh, Vertriebsleiter der Dividella AG, erklärt die beiden Komponenten einer TopLoading-Faltschachtel für Ampullen: Man richte einen TopLoading-Karton auf, verforme einen «intelligent designten Kartonzuschnitt» und klebe diesen in den Karton ein. «Die geniale Einfachheit des Prozesses mit diesen Packmitteln auf der Verpackungsmaschine macht dabei den Vorteil aus.» Der Stegzuschnitt «trägt die Produkte» - das heisst, es gibt keinen Kontakt zur Aussenwand - und gleichzeitig klemmt er sie, so dass auch ein versehentliches Kippen die Produkte fest in der Faltschachtel hält. Dividella hat dieses Grundrezept über die Jahre so verfeinert und ausgetüftelt, dass auch unterschiedlichste Produkte in ein und dieselbe Packung gesetzt werden können. Sie folgt damit einem Trend, den die Pharmaindustrie vorgibt: Kombinationspackungen - bei denen z.B. Vials mit Ampullen und Spritzen kombiniert werden müssen.


Braille-Prägung

Die in Zusammenarbeit mit dem Maschinenbauer Bobst SA und dem Stanzform-Spezialisten Marbach AG entwickelte Braille-Prägung wurde erstmals im Oktober 2007 im Rahmen eines ganztägigen Seminars am Firmensitz der Rondo AG in Allschwil präsentiert. Neu ist, dass das Prägen der Blindenschrift nicht ausschliesslich in Stanzautomaten, sondern auch in Faltschachtel-Klebemaschinen durchgeführt werden kann. Mit dem rotativen Prägesystem wird eine ausgezeichnete Blindenschrifttext-Qualität in Höhe von 19 bis 24 µ erreicht. Die Produktion mit dem ersten Braille-Modul läuft auf Hochtouren.


Portionierbare Anzündballen

Der Inhalt der von Thomas G. Wildberger, Geschäftsführer der Lindner Suisse GmbH, stolz präsentierten sechseckigen Packung ist nicht spektakulär. 251º ist eine saubere, bequeme und sichere Anzündhilfe für Grill und Kamin. Die portionierbare Verpackung enthält ausschliesslich unbehandelte Holzwolle. Eine Verkaufseinheit besteht aus vier Anzündballen. Integriert ist ein Streichholz-Briefchen. Die entfachte Holzwolle entwickelt schnell eine Hitze von ca. 600º Celsius. Der Flammpunkt ist bei 251º, was dem Produkt seinen Namen gibt. Die Verpackung ist hier ein integraler Bestandteil der Anzündhilfe, da die Faltschachtel zusammen mit der Holzwolle verbrennt. Eine besondere Schwierigkeit bei der Entwicklung bestand darin, dass sich die Holzwolle ausdehnt und dabei Verpackungen mit rechteckigem oder quadratischem Grundriss zum Ausbauchen neigen. Gefunden wurde die Lösung in einer achteckigen Faltschachtel, die sich entlang von horizontal verlaufenden Aufreiss-Perforationen in einzelne Segmente unterteilen lässt. Diese «zündende Idee» von Lindner Verpackungen GmbH (Vorgängerin der heutigen Lindner Suisse GmbH), gestaltet von See7 Werbeagentur und realisiert von Limmatdruck/Zeiler, wurde im Jahre 2004 mehrfach ausgezeichnet: Neben dem WorldStar erhielt sie auch den Swiss Star, den Innovationspreis der Messe spogaköln, den Designpreis im Deutschen Verpackungswettbewerb sowie (als «most innovative design» und die beste Nonfood-Verpackung) sogar zwei Auszeichnungen im Pro Carton/ECMA-Wettbewerb.


Schön und fest

Keine anderen Produkte dieser Welt haben so viele internationale Preise für Design erhalten wie Lindberg Eyewear. Das funktionelle und individuelle Design der Brillenfassungen hebt sich von den herkömmlichen Produkten deutlich ab. Um eine neue Transportverpackung für seine Produkte zu entwickeln, wandte sich die Firma an Kappa Dyboflex, einen der führenden skandinavischen Hersteller von offset-kaschierten Wellkartonverpackungen. «Wir wollten die Verpackung mit dem zu verpackenden Produkt harmonisieren», erklärt Richard Højgaard vom Einkauf bei Lindberg und nennt seine Vorgaben: gute Bedruckbarkeit und graphische Darstellung von hervorragender Qualität. Zudem müsse das Material stark genug sein, um einen sicheren Transport vom Werk in die Läden zu garantieren. Die Lindberg Brillenfassungen sind bekannt für das clevere Design, das nur auf dem Biegen des Titandrahts basiert. Ein ähnlich innovativer Ansatz zeigt sich im Design der neuen Eyewear-Verpackung. Aufgrund eines einfachen Verschlussmechanismus kann man gut erkennen, ob die Verpackung manipuliert wurde. «Der gefaltete Verschluss trägt zu der Stromlinienform unseres Verpackungsprozesses bei und sieht eine sichere, dauerhafte Befestigung vor - im Gegensatz zu geklebten Lösungen» meint Højgaard. Diese besondere Brillenverpackung wird von Kappa Dyboflex aus Stora Enso's CKB Karton hergestellt. Nicht zufällig entschied sich das Unternehmen für diesen Kaschierliner: bereits für Verpackungen verschiedener Konsumgüter - von Süsswaren bis zu den Haushaltsprodukten und Luxusartikeln - konnte man mit diesem Material beste Erfahrungen sammeln. Gelobt werden seine ausgezeichnete Bedruckbarkeit, die guten Laufeigenschaften und - als das Wichtigste - seine ausserordentliche Festigkeit.


Innen ohne

Die kürzlich vorgestellte, in Skandinavien entwickelte Müsli-Verpackung ohne Innenbeutel stösst auf Interesse potentieller Anwender. Die zur Cerealia-Gruppe (einem der führenden Hersteller von Müsli- und Pasta-Produkten in den nordischen Ländern) gehörende schwedische Firma BioDoc hat ihre Produktreihe Magiform Müsli bereits in den neuen, luftdichten Faltschachteln auf den Markt gebracht. Das vor Feuchtigkeit schützende Verpackungskonzept entstand durch die Zusammenarbeit zwischen dem schwedischen Verpackungshersteller Nord-Emballage und Stora Enso Scandinavia und wurde von diesen patentiert. Die Schachteln werden auf einer italienischen Betti-Verpackungsmaschine hergestellt. Die Verpackungslösung eignet sich für alle Arten von Müsli, Cerealien und Pulverprodukten. Mit dem Verzicht auf den Innenbeutel wurde auch der Abpackprozess vereinfacht. Die Verpackung wird aus dem Karton Stora Enso Performa Natura CTMP (275 g Basiskarton + 40 g High Barrier-Beschichtung) hergestellt und vom schwedischen Packarna abgefüllt.


Neue bedeutende Verpackungsoption für Lebensmittelkonserven

In den Migros-Läden kann das neue Matzinger-Hundefutter «Quality Freshness» in der innovativen Kartonverpackung namens Tetra Recart gekauft werden. Die Schweizer Packung folgte dem aufwändigen Testlauf mit der «Qualità Frechezza» bei Nestlé Purina Pet Care in Italien. Tetra Pak, einer der weltweit führenden Anbieter von Verarbeitungs- und Verpackungssystemen für flüssige Nahrungsmittel, wagt mit dieser Verpackungsentwicklung den Schritt Richtung Lebensmittelkonserven. Nach mehr als anderthalbjährigen erfolgreichen Markttests mit Tiernahrung, welche in enger Zusammenarbeit mit Nestlé durchgeführt wurden, kamen 2003 auch Tetra-Recart-verpackte Lebensmittel für Menschen in die Regale.
Tetra Recart ist eine sterilisierbare Kartonverpackung, welche bei der Distribution und Lagerung dank ihrer quadratischen Form eindeutige logistische Vorteile aufweist. Der Form nach sieht sie ähnlich aus wie bekannte Kartonverpackungen, doch hat das Material - um der Härte des Sterilisierungsprozesses zu widerstehen - eine andere Struktur als diese und wird auch anders verarbeitet. Mit bis zu 24'000 Packungen pro Stunde ist die Produktionsgeschwindigkeit ähnlich wie bei modernen Dosenlinien. Die Packung zeichnet sich durch einen hohen Grad an Convenience aus, ermöglicht doch die im oberen Teil angebrachte Perforation ein kinderleichtes Öffnen und Entnehmen des Inhalts. Eine erste grosse internationale Auszeichnung würdigt bereits diese Verpackungsentwicklung: Mit der Begründung, das neue Verpackungssystem biete Nahrungsmittelherstellern eine «praktikable, konsumenten- und handelsfreundliche», für Gemüse, Suppen, Fertiggerichte, Früchte oder Pastagerichte geeignete Alternative zu Blechdosen oder Glasbehältern, wurde Tetra Recart im August 2002 in Philadelphia mit dem renommierten DuPont Diamond Award für Innovation und Marktpotenzial ausgezeichnet.
Um die Herausforderungen bei der Einführung von Tetra Recart in neuen Lebensmittel-Segmenten zu meistern, hat Tetra Pak eine mobile Testeinheit (MTU) entwickelt. Die komplett ausgestattete Tetra Recart-Produktionslinie in Laborgrösse spielt bei der Anpassung des neuen Verpackungssystems eine wesentliche Rolle. Sie ist installiert in einem 6,5 Meter langen Container, der problemlos zum Kunden transportiert werden kann. Managing Director Jan Juul Larsen: «Dies ist eine einzigartige Lösung und ein wertvolles Instrument zur Risikominimierung für den Kunden und für Tetra Pak. So können wir erkennen, welche Anforderungen die verschiedenen Produkte an die Verpackung und an die Maschine stellen, während unsere Kunden erfahren, welche Vorteile ihnen Kartonverpackungen bieten. Die MTU kann Verpackungen für technische Tests und für Probeläufe neuer Produktkonzepte auf dem Markt produzieren.» Mit dem Markteinführungsprogramm, welches Tetra Pak gemeinsam mit ausgewählten Partnern in neuen Segmenten startet, wird Herstellern von Lebensmittelkonserven eine innovative Verpackungsplattform mit hohem Differenzierungspotenzial geboten. 2003 wurde im Schweizer Tetra-Pak-Werk Romont die erste industrielle Produktionsanlage für Tetra Recart in Betrieb genommen.


Süsse Convenience

Eine traditionelle Verpackung in neuer, ansprechender Aufmachung: Der belgische Hersteller Suiker van Tienen wählte die bewährten ZetKLIK-Faltschachteln von Limmatdruck/Zeiler, Spreitenbach und Köniz, als Verpackung für seinen neuen kalorienarmen Würfelzucker. Fitness, Vitalität und Zucker gehören zusammen: das ist die Botschaft, die diese attraktiv und fröhlich gestalteten Faltschachteln «zum Mitnehmen» verbreiten wollen. Die guten Convenience-Eigenschaften von ZetKLIK werden von Konsumenten überall geschätzt: Der Verschluss stellt sicher, dass die praktische Packung jederzeit leicht geöffnet und wieder verschlossen werden kann. Eine spezielle Hochprägung der Bodenlaschen verhindert, dass Zuckerreste aus der Packung rieseln, und die grosse Öffnung gewährleistet eine bequeme Entnahme der Würfel.