Der Verpackungswettbewerb Swiss Star ist in der schweizerischen Verpackungsszene ein fest etabliertes Jahreshighlight. Er wurde 2010 vom Schweizerischen Verpackungsinstitut SVI bereits zum 41. Mal durchgeführt. Das Teilnehmerfeld repräsentierte wiederum die ganze Bandbreite an Packstoffen: Wellkarton, Feinkarton, Kunststoff, Metall und Glas. Unter den insgesamt 45 angemeldeten Verpackungslösungen waren die wichtigsten Zielmärkte wie Süsswaren, Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Chemie, Pharma u.a. vertreten. Die Trophäen wurden am 21. Oktober 2010 im Congress Hotel Seepark in Thun verliehen.

Von allen Einsendungen selektionierte die Jury zunächst 19 nominierte Verpackungen. In einem zweiten Schritt wählte sie daraus sieben Swiss-Star-Jahressieger, zwei Gewinner des Sonderpreises Design und erstmals einen Ökopreis namens «easyFairs Green Packaging Award». In einem separaten öffentlichen E-Voting wurde zusätzlich der Publikumspreis gewählt. Die Fachzeitschrift swisspack internatonal stellte alle neuen Verpackungs-Stars vor. Unter den Preisträgern sind auch folgende neue Faltschachtel-Konstruktionen:

 


Lift für Pralinen

Sprüngli-Pralinen erhalten von der Model PrimePac AG eine elegante «Lift-Box», welche durch ein effektvolles Öffnen überrascht. Wird nämlich die stabile Festkartonage geöffnet, werden die Pralinen in der raffinierten Faltkonstruktion durch zwei Satin-Bänder elegant nach oben gehoben und so buchstäblich auf dem goldenen Tablett serviert. Die aus der Festkartonage als Aussen- und der Faltschachtel als Innerverpackung bestehende Konstruktion – mit der Sonderauszeichnung «Design» ausgezeichnet – wurde bewusst in der schlichten, edel wirkenden Faltkombination «Schwarz und Gold» gehalten. Die Aussenverpackung ist mit schwarzem, hochwertigem Papier überzogen und die leichte Strukturprägung vermittelt eine angenehme haptische Wahrnehmung. Die dekorative Schleife wertet die Packung zusätzlich auf. Hervorzuheben sind hier auch die positiven Logistikeigenschaften, denn die Lift-Box mit ihrem Deckelteil ist äusserst stabil und dank der rechteckigen Form gut stapelbar.


Premiumverpackung für exklusive Hüppen

Die neue Premiumlinie Gottlieber Hüppen differenziert sich in den Geschmacksrichtungen, den Rohstoffen und der exklusiven Verpackungsgestaltung vom Traditionssortiment. Die von Pawi Verpackungen entwickelte Faltschachtel wurde für ihr Design ausgezeichnet, dessen Ästhetik, Funktionalität, sinnliche Inszenierung und die damit ausgedrückte hohe Wertigkeit ein besonders stimmiges Gesamtkonzept bilden. Die Schachtel lässt sich durch Abstreifen der Manschette beidseitig öffnen. Auf dem Innern des Deckels ist die Firmengeschichte beschrieben. Das Waffelgebäck in Röhrenform ist einzeln verpackt. Die durch feines Seidenpapier geschützten Hüppen liegen in einer Hohlwandschachtel. Die Verwendung von Naturkarton in Kombination mit dem braunen Pergamin und Goldfolienprägung verleiht dem Verpackungsdesign Still und Eleganz.


Bienen-Box aus Wellkarton

Eine spezielle Art der Verpackung stellt das «API Model» von Model AG dar. Es dient Bienenzüchtern zum Transport ihrer Schwärme und ist anders als traditionelle Mehrweg- Ablegerkästen nicht aus Holz, sondern aus Wellkarton gefertigt. Der für Imkerartikel-Firma K. Schuler entwickelte Einwegkasten geht an den Bienenzüchter nicht mehr zurück und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Jungvolkbildung und Seuchenprävention. Die Box kann flach gelagert werden und da sie keine Reinigungskosten verursacht, ist sie eine hygienische und kostengünstige Alternative zur traditionellen Transportmöglichkeit.


Schiebeschachtel für Bonbons als Prototyp

Die Prototyp-Verpackung für Kaugummis oder Bonbons, als eine praktische «on-the-go»-Schiebeschachtel von Limmatdruck/Zeiler (Copaco) entwickelt, fällt durch ihre besondere Öffnungsweise auf. Durch das Zusammenschieben der neu gestalteten ZetPUSH-Faltschachtel öffnet sich auf ihrer Vorderseite der Dispenser. Das Produkt kann einfach dosiert entnommen werden, ohne dass der Inhalt berührt werden muss. Reduziert man den Druck auf den Deckel, sorgt die integrierte Feder dafür, dass sich die Öffnung wieder verschliesst. Die Verpackungskonstruktion besteht aus einem einzelnen Zuschnitt, der durch die Erstöffnungsperforation zweigeteilt wird.


Das «Thin System» von Model AG gewann die zum ersten Mal verliehene Öko-Sonderauszeichnung «easyFairs Green Packaging Award» Ohne die geringsten funktionalen Einbussen hinnehmen zu müssen, ist es dem Entwickler Thomas Roeder (rechts) gelungen, den Platzbedarf für gefaltete Faltböden beim Transport und im Lager um 20 Prozent zu reduzieren: Während ein traditioneller Faltboden im flach zusammengefalteten Zustand fünf Lagen aufweist, hat dieser Faltboden nur noch deren vier. Durch die Einfachheit der Lösung waren nur geringe Anpassungen an den Konstruktionen notwendig, so dass sich weder Erscheinungsbild noch Design veränderten. Wenn man sich die Anzahl Faltböden, welche jährlich verbraucht werden, vor Augen führt, wird das grosse Einsparungspotential für die Umwelt ersichtlich.


9 Zertifikate für nominierte Verpackungen

Die neun von der Jury nominierten Verpackungen, die es in die letzte Runde nicht geschafft haben, gingen mit einem Zertifikat aus dem Rennen. Es sind dies: Die HD-PE-Flasche und Verschluss mit Erstöffnungsgarantie für 2K-Produkte der Kunststoff-Packungen AG (Bild), Perlazid® der Perlen Converting AG, Verpackungssystem für Internet-Business für MySwissChocolate von Pawi Verpackungen, die Faltschachtel Swisscom von Weber Verpackungen, der Pocket Böögg der Model AG, die Shakeria-Shakerflasche der Innoprax AG sowie die Verpackung für Designer-Leuchtenlinie, die Faltschachtel 2lock Box und die Sechseck-Diagonalschütte der Schelling AG.


Prototyp einer Milchverpackungsserie

Der Prototyp einer von Gabi Lunkenheimer, Industriedesign-Studentin an der Fachhochschule Nordwestschweiz, vorgeschlagenen Milchverpackungsserie gewann den Publikumspreis via E-Voting. Nebst ihren herkömmlichen Funktionen lassen sich diese Verpackungen über ihre gesamte Lebensdauer an das Inhaltsvolumen anpassen. Dadurch sind sie platzsparend, benötigen kleinere Lagerräume sowie weniger Transportfahrten. Sie verfügen ausserdem über einen neuartigen Verschluss, der mit einer Kugel ausgestattet ist. Mit seinem Publikumspreis will das Schweizerische Verpackungsinstitut den Dialog mit der breiten Öffentlichkeit ausbauen. So kann sich jeder im Rahmen der Swiss-Star-Preisverleihung mit dem Verpackungsthema aktiv auseinandersetzen.

Pharmaverpackung gewinnt

Die Wallet-Verpackung der Sigpack Systems AG ist der Superstar des Jahres. Sie holte im Schweizerischen Verpackungswettbewerb Swiss Star 2007 gleich zwei Auszeichnungen: den Konsumentenpreis und eine Auszeichnung als Verkaufsverpackung.

«Wir wissen, dass diese Verpackung einfach genial ist und dem Konsumenten einen echten Mehrnutzen bringt. Dazu zählen hauptsächlich die Patientensicherheit, die Benutzerfreundlichkeit und natürlich die vielen Informationen, die in der Wallet-Pharmaverpackung integriert werden können», erklärt Andreas Graf, Leiter Systemintegration bei Sigpack. Eigentlich zeigt die Wallet-Verpackung ihre Genialität erst auf den zweiten Blick. Dann nämlich, wenn man an ihr zieht und links und rechts gleichzeitig das Produkt sowie die Beipackzettel sichtbar werden. Durch Schieben des Mechanismus verschwinden die Tabletten und die Beilage wieder in der Verpackung: eine Neuerung, die neben der Jury auch Konsumenten überzeugte. Über 30 Prozent der im E-Voting eingegangenen 1080 Stimmen wählten diese neuartige Pharmahülle mit Mehrfachnutzen für den Swiss-Star-Konsumentenpreis. Der Konsumentenwettbewerb, jährlich durch das Schweizerische Verpackungsinstitut SVI im Rahmen des Schweizerischen Verpackungswettbewerbs durchgeführt, hat zum Ziel, die Verpackung mit seinen vielfältigen Funktionen und Aspekten den Konsumenten näherzubringen. Von grosser Wichtigkeit - besonders weil es sich hier um Medikamentenverpackung handelt - ist die Tatsache, dass die Verpackungsbeilage mit der Verpackung fest verbunden bleibt und nicht verloren geht. Die Wallet-Verpackung wurde von der weltweit tätigen Verpackungsdesign-Agentur Burgopack entwickelt. Die Sigpack Systems baut die dazu gehörende Verpackungsanlage. Neben dem Konsumentenpreis erhielten insgesamt 8 Verpackungsneulinge die begehrte Auszeichnung Swiss Star 2007. Sie wurden von einer 15-köpfigen Jury in einem zweistufigen Auswahlverfahren aus insgesamt 34 Einsendungen gewählt.


Perfektion mit Karton

Kaum ein anderer Industriezweig stellt an seine Partner so hohe Anforderungen an Technologie und Know-how wie die Pharmaindustrie. Die Hamburger Körber Medipak liefert Pharmaverpackungssysteme aus einer Hand - von der Packmittelentwicklung über die Bereitstellung der Materialien bis hin zu kompletten Maschinen- und Systemanwendungen. Zur Gruppe gehören neben dem deutschen Verpackungsmaschinenhersteller MediSeal auch die Schweizer Unternehmen Dividella und Rondo. Die Dividella AG, bei weltbekannten Pharmafirmen als TopLoading-Spezialist bekannt, baut seit 1978 erfolgreich unter dem gleichen Namen Maschinen. Die Entscheidung, auf Monomaterial, sprich Kartonmaterial zu setzen und dabei auch Entwicklungen gemeinsam mit den Kunden durchzuführen, war für das Unternehmen wegweisend. Mit dem im eigenen Haus entwickelten Packmittelkonzept können alle pharmazeutischen Liquidaprodukte wie Ampullen, Spritzen, Vials, Inhalers, Devices sowie Kombinationen verpackt werden. Das System der TopLoading-Faltschachteln wird den sich ändernden Anforderungen laufend angepasst; Originalitätssicherung, grösserer Formatbereich und angepasste Transportsicherheit (Versandapotheken, veränderte Logistik) sind nur einige Features, welche im Laufe der Zeit hinzukamen und auch umgesetzt wurden. Heute beliefert Dividella neun der Top-Ten-Pharmaunternehmen. Der Erfolg begründet sich auch auf ein für ein Maschinenbauunternehmen ungewöhnliches Selbstbild. Fragt man die Mitarbeiter vor Ort im Engineering und in der Projektleitung, so sehen diese sich selbst primär als Packmittelentwickler und Problemlöser für die pharmazeutische Industrie. Alles dreht sich in Grabs um TopLoading-Kartons und Walletpräsentationen, auf fast jedem Schreibtisch stehen Ampullen, Vials und Ähnliches. Dass dabei hochklassiger Maschinenbau betrieben wird, um die Lösungen und Wünsche der Kunden dann auch umzusetzen, wird in der Fabrik beinahe als Selbstverständlichkeit dargestellt. In der gut gefüllten Montagehalle sind die komplette Bandbreite von der flexiblen Kleinstmaschine bis zu mehreren Hochleistungsanlagen zu sehen.


Einfachheit als Vorteil

Wolfgang Nimmerfroh, Vertriebsleiter der Dividella AG, erklärt die beiden Komponenten einer TopLoading-Faltschachtel für Ampullen: Man richte einen TopLoading-Karton auf, verforme einen «intelligent designten Kartonzuschnitt» und klebe diesen in den Karton ein. «Die geniale Einfachheit des Prozesses mit diesen Packmitteln auf der Verpackungsmaschine macht dabei den Vorteil aus.» Der Stegzuschnitt «trägt die Produkte» - das heisst, es gibt keinen Kontakt zur Aussenwand - und gleichzeitig klemmt er sie, so dass auch ein versehentliches Kippen die Produkte fest in der Faltschachtel hält. Dividella hat dieses Grundrezept über die Jahre so verfeinert und ausgetüftelt, dass auch unterschiedlichste Produkte in ein und dieselbe Packung gesetzt werden können. Sie folgt damit einem Trend, den die Pharmaindustrie vorgibt: Kombinationspackungen - bei denen z.B. Vials mit Ampullen und Spritzen kombiniert werden müssen.